Aller Anfang ist schwer!

 Wir bauen ein Weltreisemobil.

Am Anfang unserer Planung stand die Ausstattung der Box. Sie sollte uns einen gewissen Komfort auf langen Reisen bieten. Mit einer Software zum Planen von Häusern haben wir dann Hunderte von Ausstattungsvarianten ausprobiert. Immer wieder gab es etwas zu verbessern oder zu ändern. Caro wünschte sich  ein nicht zu kleines Badezimmer, für mich waren Einzelbetten in Fahrtrichtung wichtig und ein getrennter Schlafraum. Die Küche und der Wohnraum sollten eine akzeptable Größe haben. Da der Küchenblock in unserem alten Wohnmobil eine Breite von 1,35 m hatte, sollte der jetzige mindestens genauso groß werden. Mit der Zeit kamen immer mehr Anforderungen an den Ausbau der Box hinzu, was dazu führte, dass die Planung sich über ein halbes Jahr hinzog. Nachdem die Box nun den Ausbaustatus hatte, wie wir ihn uns vorstellten, begann die Suche nach einem geeigneten Basisfahrzeug. Bei meinen Recherchen fand ich im Internet eine Faustformel für das Leistungsgewicht. Somit habe ich mich dann erst einmal intensiv mit dem Gewicht unserer Box befasst. Ich habe gefühlte vier Wochen für die Recherchen der einzelnen Komponenten gebraucht. Am Ende hatten wir ein Gewicht für die Box, den Zwischenrahmen mit allen An- und Einbauten inkl. Quad, von annähernd vier Tonnen

Die Faustformel sagt: 

20 PS pro Tonne. Zusammengerechnet waren das bei uns ca. 11,5 t, 6,5 t Fahrzeuggewicht plus 4 t für die Box. Bei 20 PS pro Tonne sollte das Fahrzeug also mindestens 200 PS haben. Ein wenig Leistungsreserve sollte auch noch zur Verfügung stehen. Das heißt, unser Basisfahrzeug sollte wenigstens 220 PS mitbringen. Somit waren die beiden MBs raus. Die nächste Klasse nach oben wären die 12- bis 16-Tonner mit über 200 PS

Fahrzeug-Studie-Exmo

7,5 t passt nicht!

Als Erstes mussten wir feststellen, dass ein 7,5 t-Chassis nicht das Optimum für unsere 5,4m Box ist. Die Box war auch zu schwer für ein 7,5 t-Chassis. Das hätte dazu geführt, dass der 7,5-Tonner immer unter Volllast fährt, was aus meiner Sicht nicht unbedingt förderlich für die Mechanik ist. Um nicht unendlich viel Geld in extremen Leichtbau zu investieren, beschlossen wir den Führerschein Klasse C zu machen. Durch den Wechsel in die andere Gewichtsklasse eröffneten sich für uns neue Möglichkeiten. Eine der neuen Möglichkeiten war, dass wir jetzt ein Quad mit an Bord nehmen können. Die Box hatte zu dem Zeitpunkt noch ein Containerformat, was Caro nicht wirklich gefiel. Wir haben die Box dann am Heck mit einer Schräge versehen, was optisch einfach besser aussah. Diese Entwicklung führte jedoch zu einer Neuplanung der Box. Alles wieder auf null. 

Fahrzeug-Studie-Weltreisemobil
Wohnkabine Expeditionsmobil

Parallel zur Neuplanung begannen wir jetzt mit der Suche nach einem geeigneten Basisfahrzeug. Die Mitgliedschaft in diversen Foren brachte nur zum Teil förderliche Erkenntnisse. So war manches Mal die Verwirrung nach einem Abend im Forum größer als vorher. Die Diskussionen gingen sehr oft in eine Richtung, die nicht zielführend war. Also besann ich mich auf meine Projektleitungserfahrungen und setzte das Projekt neu auf.

Welcher Radstand

In die engere Wahl kamen ein IVECO 110-16, MB 1017, MB 1117 und ein Steyr 12M16 – alle mit 4 × 4.

Der IVECO 110-16 war von der dänischen Armee und hatte einen Radstand von 4,2 m und stammte aus einem gestorbenen Projekt. Der wäre für unsere Box optimal gewesen. Leider gibt es bei diesem Radstand Einschränkungen in engen Kurven und Serpentinen. Nach einem Test mit einem Legomodell und einer 1:10-Skizze unseres Hofes hatte sich der 4,2 m-Radstand erledigt. Ich könnte das Fahrgestell auf dem Hof nicht rangieren:

Zu lang. Also musste es ein Radstand unter vier Meter sein.

Der Steyr wäre eigentlich das perfekte Fahrzeug gewesen, leider passte die 5,4m Box nicht auf das 3,6 m-Chassis und eine Rahmenverlängerung kam aus finanziellen Gründen nicht infrage. Um die Box optimal auf das 3,6 m Chassis anzupassen, hätten wir zu viele Abstriche an den Komfort unserer Box machen müssen, oder einen extremen Überhang gehabt. Damit kamen jetzt zwei Mercedesmodelle in die engere Wahl, ein MB 1217 und ein 1217 DoKa.

Nicht nur die Ansprüche an die Box stiegen, sondern auch die an das Fahrzeug. Zur Mindestausstattung des Fahrzeugs sollten zwei Sperren gehören und wenn möglich ein Splitgetriebe. Eine Vorderradsperre wäre Luxus gewesen. Nach mehreren Wochenenden und Probefahrten quer durch Deutschland haben wir festgestellt, dass eine Nahverkehrskabine nicht in Frage kommt. Dazu kam, dass mir die 170 PS der 1217er auch zu wenig waren. Letztendlich haben wir dann unser Fahrzeug gefunden, das optimal zu unserer Box passte. Einen Mercedes Benz 1824 AK 4 × 4, Baujahr 1996 mit nur 190 000 km. Er verfügt über drei Sperren, Verteilergetriebe, Splitgetriebe, großes Führerhaus und verstärkte Allrad-Technik. Das Fahrgestell besitzt eine werksseitige Höherlegung von 8 cm. Der Radstand beträgt 3,90 m und das Fahrgestell wurde werkseitig um 50 cm verlängert. Damit passt unsere 5,35 m-Box genau auf das Chassis. Das Fahrzeug war wie für uns gemacht und die Entscheidung somit gefallen:

Als das riesige Teil dann bei uns auf dem Hof stand, war mir schon ein wenig komisch zu Mute. War das nicht doch etwas zu groß?

Rüstwagen Mercedes 1824
November 2016

Über den Winter wollten wir das Fahrzeug aufbereiten, damit es dann im Frühjahr mit dem Umbau losgehen kann, falls es nicht zu kalt wird (unbeheizte Halle). Zuerst musste der noch montierte Kran demontiert und verkauft werden. 

In der ersten Variante wollten wir den vorhandenen Pritschenrahmen modifizieren. Zu dem Zeitpunkt war noch eine Konstruktion mit 100 × 100 Winkelprofilen geplant. In diese Konstruktion sollten dann die Sandwichplatten eingeklebt werden.

Diese Konstruktion haben wir aber verworfen, da an dem alte Pritschenrahmen noch die Kranaufnahme saß. Der Umbau wäre zu aufwendig gewesen, da wir ja auch noch einen Zwischenrahmen brauchten. Wir ließen jetzt einen federgelagerten Zwischenrahmen mit Traversen bauen. Auf den Traversen des ZW-Rahmens wird dann die Box aus 100 × 80 mm Vierkantrohrprofilen verschraubt. In diesen Stahlrahmen werden 60 mm-Sandwichplatten als Außenwände eingeklebt.

Wir haben zwei Jahre lang oft bis in die Nacht gebaut und gewerkelt.  Schweiß, Zeit und auch Tränen wurden vergossen. Aber heute, nachdem Sie fertigt ist, bereue ich diese Entscheidung nicht. Wir haben versucht uns einen Lebenstraum zu erfüllen und der Versuch ist aufgegangen.

Die komplette Ausbau Dokumentation findet ihr unter Fahrzeug.

Tipps zum Projektstart

Video zum Start eines Ausbauprojektes. Auf was sollte man achten, eine Projektkladde ist hilfreich und mehr...

MB 1824 Fahrerhaus leer
Expeditionsmobil
Fenster F-Haus
Expeditionsmobil Mercedes 1824 SK
Sommer 2018

Author: Detlef

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